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Es ist hier etwas ruhig geworden - vielleicht zu ruhig. Das soll sich wieder ändern. Den Anfang macht eine kurze Zusammenfassung von dem, was ich in den letzten Monaten getan habe.

Zunächst bekam ich eine Einladung vom Deutschen Lehrerverband, einen Vortrag auf der Fachtagung „Bildung und Unterricht in Zeiten von Google und Wikipedia” zu halten. Dieser Einladung durch Herrn Prof. Gauger bin ich sehr gerne gefolgt, so dass ich am 10. Juni 2010 zum Thema „Das Web und die Auswirkungen auf das Sprachverhalten junger Nutzer” referiert habe. Besonders kontrovers wurde dabei der Punkt diskutiert, ob von einem allgemeinen Sprachverfall gesprochen werden kann. Auch wenn die Lehrerschaft aus eigenen Erfahrungen dies gern bestätigt haben wollte, kann die Sprachwissenschaft an dieser Stelle leider mit größeren Forschungsdesideraten aufwarten. Grundsätzlich sollte zur formalen Beschreibung von Veränderungen der Sprache kein negativ konnotierter Begriff verwendet, sondern zunächst von reinen Sprachwandelprozessen ausgegangen werden. Veränderungen von Sprachelementen in Bezug auf die Zeit lassen sich seit jeher belegen und können durch den Unterricht auch didaktisch eingebunden werden. Wie das aussehen könnte, habe ich am Beispiel von „Twitterature: The World’s Greatest Books in Twenty Tweets or Less” aufgezeigt. Die Autoren haben große Werke wie etwa Shakespeares Hamlet in 20 Tweets nacherzählt. Ich empfände es durchaus als eine Bereicherung für beide Seiten, Lehrer wie Schüler, wenn das Web in dieser oder ähnlicher Art Einzug ins Klassenzimmer erhält. Warum sollten Schüler nicht einmal versuchen, „Effie Briest” in 20 Tweets nachzuerzählen?

Seit dem 01. Juli arbeite ich als Social-Media-Mitarbeiter bei der individualisierbaren Tageszeitung niiu. Dort kann ich nun der ganz praxisnahen Arbeit nachgehen, deren Grundlagen ich im Studium und auch hier geschaffen habe.

Der Humboldt-Universität bleibe ich weiterhin verbunden. Im kommenden Wintersemester werde ich die Lehrveranstaltung „Blogs und Wikis in Forschung, PR und Marketing” durchführen. Interessierte Studierende können sich bei mir gern per E-Mail anmelden.

Zwischen alledem wurde ich neben Else Buschheuer und Sascha Lobo vom Deutschlandfunk zu einem Interview für ein Feature zum Thema „(Un)verborgene Wörter. Blogs versus Tagebuch” angefragt. Die Sendung wird morgen Abend (Sonntag, den 15.08.) um 20:05 Uhr gesendet.

Am dritten Tag der re:publica hatten doch noch einige Blogger und Blog-Interessierte zu meinem Vortrag gefunden. Vielen Dank für die anschließende Diskussion, die die Wahl des Veranstaltungsortes rechtfertigte, aber auch die äußerst unterschiedlichen Erwartungshaltungen offenbarte. Vieles konnte aufgrund der Kürze leider nur andiskutiert werden.

Die weiterhin unbeantworteten Fragen insbesondere der Datenerhebung/Datenedition, die unmittelbaren Einfluss auf die Interpretation von Blogs haben, wie auch der gesamte Komplex der Forschungsethik, lassen zumindest noch viel Raum für das Forscherherz.

Wie versprochen liefere ich hier die Präsentation einschließlich einer neuen Folie mit den Angaben zur genannten Literatur nach.

Bloglese: Der digitale Flaneur

BEST OF BLOGS 2010

BoBs 2010 Friedrichstadtpalast (5).JPG

Heute Abend wurden die Best Of Blogs (BOBs) 2010 im Rahmen der re:publica verkündet. Die Einbindung in die Konferenz war eine vortreffliche Entscheidung, wenn auch das Museum für Kommunikation Berlin in den vergangenen Jahren etwas mehr Atmosphäre zu bieten hatte.

Den Auftakt der Veranstaltung mit einer Keynote zum wie und warum des internationalen Bloggens machte Jan Schmidt. Dann folgte, geordnet nach den sprachlichen Kategorien, die Verkündung der Preisträger, wobei zum ersten Mal auch Bangla Berücksichtigung fand.

Als bestes deutsches Blog konnte sich das satirische Blog Der Postillon durchsetzen und der Preis der Preise, THE BEST WEBLOG ging an Ushahidi. Es handelt sich um ein Blog „zu einer Applikation, die mittels Daten von Mobiltelefonen und Social-Networking-Diensten Karten von Katastrophengebieten erstellt”.

Aus der Reihe der Gewinner fiel vor allem das außergewöhnliche Videoblog MR_FREE_MAN. Ein wirklich bemerkenswertes Talent:

Herzlichen Glückwunsch allen Preisträgern!



Die re:publica 2010 forderte insbesondere die deutschen Zuhörer am ersten Tag zu einer besonderen Reflexionsarbeit auf. Wie lässt es sich erklären, dass wir uns unbekümmert nackt der Öffentlichkeit am Strand zeigen können, aber Google uns bekleidet auf der Straße in derselben Öffentlichkeit nicht ablichten darf? Jeff Jarvis schüttelt verwundert den Kopf, wenn wir selbst darauf bestehen, dass auf Wikipedia aus Gründen der Privatsphäre die Namen verurteilter Mörder nicht genannt werden sollen.

Jeff Jarvis Unter dem Titel THE GERMAN PARADOXON. PRIVACY, PUBLICNESS, AND PENISES versuchte der Amerikaner Erklärungen zu finden. Was privat und was öffentlich ist, sieht er in der Kultur des jeweiligen Landes begründet.

As a group, Germans are more private than anyone I know.

Dies ist in seinem Blogeintrag vom 11. Februar zu lesen. Glücklicherweise ging Jeff Jarvis Vortrag über die dortigen Ideen hinaus. Im Kern versucht er die allseitige Frage zu beantworten, warum Menschen Intimität im Web äußern. Warum schreiben sie von Dingen, die die meisten auf jeden Fall für sich behalten würden, sich noch nicht einmal vorstellen können, sie im Netz zu veröffentlichen?

Seine Erfahrung, die sich mit meinen Beobachtungen deckt, ist die mitunter sozialstärkende Reaktion von Lesern. Jeff Jarvis verdeutlicht dies am Beispiel einer Intimität, die er dem Web mitgeteilt hat: die Erkrankung an Prostatakrebs.

Viele Kommentatoren waren dankbar, dass dies ausgesprochen wurde, da sie ähnliche Erfahrungen nun teilen konnten. So schrieb Andrew:

My father went through prostate cancer treatment six years ago. While certainly no fun, he is as healthy now as ever. Hope for at least as much for you. Get well soon.

Eine gleichermaßen intime Reaktion „er hat es geschafft, du wirst es auch schaffen” kann in der Art nur von Betroffenen kommen. Dies lässt sich auf nahezu alle Themen der Privatsphäre übertragen. Wo ist nun aber die Grenze zu ziehen? Existiert überhaupt eine Grenze? Jeff Jarvis will niemanden nötigen, im Glashaus zu leben. Er sieht die Grenze zum Beispiel dort, wo durch die Offenbarung eine dritte Person die Kontrolle über ihre Privatsphäre verliert oder auch bei Fragen der Privatsphäre von Kindern, die in jedem Fall geschützt werden muss.

Was kann nun aber passieren, wenn wir Google dazu bringen, bestimmte Bilder der Öffentlichkeit nicht aufzunehmen?

You create a control of what is in public.

Oder mit anderen Worten:

The public owns what’s public.

Wir ermöglichen eine Art Zensur durch die Hintertür. Daher plädiert Jarvis dafür, die Öffentlichkeit zu verteidigen. Denn wer, wenn nicht wir selbst, ist die Öffentlichkeit?

Bei der Suche nach Relevanzregeln für die auszuwählenden Blogs meiner Forschungsarbeit kam ich auch zu einem zeitlichen Ausschlusskriterium: letzter Blogeintrag innerhalb der vergangenen drei Monate. Wenn man nun vorsichtig auf meinen letzten Eintrag sieht, dann wäre ich bereits kein Teil der Blogosphäre mehr. Oder geht das zu weit? Ein paar interessante Gedanken dazu schrieb bereits 2004 Mary Hodder in einem Artikel: What Does it Mean When A Blog Stops Updating?

Ein Fazit: Solange keine 404-Fehlermeldung kommt (ein Dokument wird angefragt, existiert aber nicht auf dem Server), ist alles im grünen Bereich. So auch hier.

Wer nun etwas genauer wissen möchte, womit ich mich in letzter Zeit beschäftigt habe, ist herzlich zu meinem Vortrag auf der re:publica am Freitag, den 16. April um 16.00 eingeladen (Kalkscheune; Blauer Saal). Dort werde ich einen Teil der Ergebnisse meiner Magisterarbeit “Vernetzte Intimität. Autobiographisches Schreiben in Weblogs” vorstellen. Ich freue mich auf zahlreiche Interessierte.

P.S. Leider ist der Eintritt zur re:publica mit nicht ganz zu vernachlässigenden Kosten verbunden.

Heute fand um 19.00 Uhr im Museum für Kommunikation Berlin eine Podiumsdiskussion zum Thema „LEBE LIEBER DIGITAL. Was bleibt im Netz PRIVAT?“ statt. Den Rahmen gab natürlich die Ausstellung @bsolut privat!?, für die man nicht genug werben kann. Nicht, weil sie es nötig hätte, sondern wegen ihres einzigartigen Zugangs zum Thema.

Podiumsdiskussion im Museum für Kommunikation Berlin. Dr. Arndt Roller (Geschäftsführer von Parship), Peter Schaar (Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit), Kai Biermann (Leiter Ressort Digital ZEIT Online), Prof. Dr. Uwe Hasebrink (Direktor des Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung), Stefan Niggemeier (seines Zeichens Medienjournalist) von links nach rechts.

Unter der Moderation von Wolfgang Blau (Chefredakteur ZEIT ONLINE) Kai Biermann (Leiter Ressort Digital ZEIT Online) diskutierten Prof. Dr. Uwe Hasebrink (Direktor des Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung), Stefan Niggemeier (seines Zeichens Medienjournalist), Dr. Arndt Roller (Geschäftsführer von Parship) und Peter Schaar (Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit).

Irgendwie werden wir dazu gezwungen, unsere Daten preiszugeben. Machen wir es nicht, entgehen uns die vielen Angebote des Webs – seien es verbilligte Tickets oder irgendwelche Sonderrabatte. Doch geht es nur um den Konsum? Selbstverständlich nicht. Hasebrink machte diese eindringlich an einem Beispiel eines afghanischen Mädchens deutlich, das durch einen passwortgeschützten Bereich im Web einen sichereren Ort für ihre Intimität fand, als ein Tagebuch im elterlichen Haus. Das Web als Schutzraum vor dem Zugriff der Familie.

Nun sind es nicht immer die großen Geheimnisse, die wir als Spuren im Web hinterlassen. Das Klicken von Seite A zu Seite B, die Suchbegriffe X in Kombination mit Y, die Verweildauer bei einem bestimmten Thema. Einzeln für sich genommen haben diese Daten wenig Potenzial für Aufregung. Alles zusammen genommen, einer Person zugeordnet aber schon. Nichts Neues. So blieb auch Herr Niggemeier nur die nüchterne Feststellung:

Google weiß alles über mich.

Er nutzt fast alle Dienste, die dann wieder dieses seltsam irreale Bild des gläsernen Web-Nutzers entstehen lassen. Und obwohl wir es alle besser wissen, liefert er auch gleich den Grund.

Es ist doch so bequem - vielleicht auf Dauer nicht die beste Antwort.

Vielleicht nicht, lieber Herr Niggemeier.

Begriffserklärungen zu verfassen ist eine Wissenschaft für sich. Das ist hier durchaus wörtlich zu verstehen (vgl. Lexikographie und Enzyklopädik). Möchte man dann auch noch eine allgemeinverständliche Umsetzung in Form eines Glossars für einen Zeitschriftenartikel verfassen, kann der Eintrag auch zu mehr Verunsicherungen führen, als dieselben zu beseitigen.

Im hochschulanzeiger der Frankfurter Allgemeinen wurde in der Mai-Ausgabe ein Versuch unternommen, 11 Begriffe aus dem Web 2.0 in einem Glossar zu beschreiben. Als erster Eintrag, Sie ahnen es schon, steht Blog/Weblog. Vorab ist anzumerken, dass es das Weblog nicht gibt – eine Definition also schon von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Aber was soll man antworten, wenn die Frage gestellt wird: Was ist ein Weblog? Es folgt also der Versuch des hochschulanzeigers, der mit ein paar Änderungen, besser hätte gelingen können. Der Eintrag beginnt folgendermaßen:

Weblog ist eine Wortkreuzung aus Web und Log (für >>Logbuch<<).1

Die Wortkreuzung bzw. Kontamination ist in diesem Zusammenhang durchaus korrekt, aber wird hier als deutsche Wortbildung beschrieben. Es sollte meines Erachtens doch zumindest ein Verweis auf das englische „logging“ erfolgen. „Weblog ist eine Wortkreuzung aus Web und logging (für >>to log<< aus dem Engl. >>protokollieren<<). Die Referenz auf das maritime Logbuch, in dem mithilfe des Logs, einem kleinen Holzstück an einer Leine, die Geschwindigkeit des Schiffs gemessen wurde, um sie dann ins Logbuch einzutragen, ist hier durchaus treffend, aber doch eher verwirrend. Schließlich handelt es sich bei Weblog um ein Wortbildungsphänomen im Englischen. Jorn Barger, der sein Treiben als „logging the web“ beschrieb, hatte sicher nicht das maritime Logbuch im Sinn, sondern den englischen Begriff, für den wir im Deutschen das wunderbare Wort protokollieren haben. Bereits dieser Exkurs zeigt doch die Schwierigkeit, komplexe Sachverhalte in einem Satz unterzubringen. Der erste Satz allein hätte mich auch noch nicht motiviert, diesen Eintrag zu schreiben. Bisher könnte man das als kleinlich bezeichnen. Der zweite Satz hat es dann aber in sich:

Es handelt sich dabei um eine Art Tagebuch im Netz, bestehend aus chronologisch geordneten Beiträgen, den sogenannten Postings.

Der Tagebuchvergleich ist für eine erste Annäherung akzeptabel, aber vollkommen falsch ist die chronologische Ordnung. Sie war noch bestimmend für die Online-Tagebücher, hingegen sind Einträge in Blogs umgekehrt chronologisch geordnet – der aktuellste Eintrag steht immer an erster Position bzw. oben.

Warum außerdem der Begriff Posting eingeführt wird, der vor allem bei Newsgroups und Foren Verwendung findet, ist mir unklar. Die Beschreibung als Beitrag oder Eintrag ist dem doch vorzuziehen. Nicht nur, weil es deutsche Begriffe sind, die allgemein in der Blogosphäre benutzt werden. Sie haben auch nicht das zusätzliche Verwirrungspotenzial des Postings. Die Mechanismen von Publikation und Partizipation unterscheiden sich in Weblogs, so dass dies durch den Blog-Eintrag noch zusätzlich unterstrichen wird. Darüber hinaus hat sich das Web seinen Platz im Duden erkämpft. Von daher würde ich diesen etablierten Begriff verwenden. Mein Vorschlag: „Es handelt sich um eine Art Tagebuch zu allen möglichen Themen im Web, bestehend aus umgekehrt chronologischen Beiträgen bzw. Einträgen.“

Der Glossar-Eintrag geht wie folgt weiter:

Meist schreibt der Herausgeber (Blogger) über eigene Erfahrungen und Erlebnisse.

Ich hatte bereits bei meinem vorangegangenen Vorschlag die Bandbreite an Themen eingefügt, um von der Vorstellung eines autobiographischen Schreibens loszukommen. Die Mehrzahl der Blogs sind thematisch gebunden, also „Meist schreibt der Herausgeber (Blogger) über selbst gewählte Themen, die auch eigene Erfahrungen und Erlebnissen enthalten können.“
Weiter:

In den letzten Jahren ist die Zahl der Blogs rasant gestiegen. Ein Grund dafür sind kostenfreie Redaktionssysteme, die das Erstellen eines Blogs kinderleicht machen.

In dem abschließenden Satz verbergen sich gleich zwei Gründe: 1. kostenfrei 2. kinderleicht. Die hohen Kosten entstanden nicht nur durch die Anschaffung eines Computers, sondern auch aufgrund der Internetnutzung. So führte auch die Einführung der Internet-Flatrate bei gleichzeitig wachsenden Download-Raten direkt zum Erfolg des Weblogs bei. Je mehr Internetnutzer, desto mehr potentielle Blogger und auch Blog-Leser. Die vielen Anbieter von Blogsystemen machen das Erstellen eines Blogs so einfach wie das Einrichten eines E-Mail-Kontos. Daneben bieten die sogenannten Selbstinstallationen viel Freiraum, sind aber etwas komplexer. Mein Vorschlag wäre also die etwas selbstbewusstere Formulierung „Die wesentlichen Gründe dafür sind die einfach zu bedienenden Redaktionssysteme mittels einer sogenannten Blogsoftware und die kostenlose Benutzung derselben.“

  1. Täubner, Mischa/ Eimer, Annick: Studieren 2.0. In: Frankfurter Allgemeine. hochschulanzeiger, Ausgabe 102, Mai 2009, S. 14.

Man kann ins Schlingern bei der Beschreibung des Projektes Sechzig Grad von Karen Wiborg kommen. Werfen Sie Ihr Schubkastensystem über Bord, ergänzen Sie die Einträge in Ihrem Literaturlexikon um einen weiteren: Blogroman – oder doch eher Romanblog? Dass das Unterwandern von Gattungsmerkmalen ein allseits beliebtes Spiel in der Literaturgeschichte ist, stellt nicht die Innovation dar. Der Reiz dürfte hier in der forcierten Interaktion der Autorin/ Bloggerin mit Ihren Lesern liegen. Oder durften Sie schon einmal mitbestimmen, wie der Name des Helden lauten soll? Oder wie sich der Duft von Kaffee beschreiben lässt, auf dass dies unmittelbar Teil des Werkes wird?

Es reicht der Autorin hier nicht, dass Ihre Leser nur im Blog die Ideen und Wünsche einbringen. Kommuniziert wird über alle Kanäle: Twitter, StudiVZ und Co – ein ständiges Rauschen, das den Blogroman in Unruhe hält. Am Ende des Jahres soll das Werk vollbracht seien. Es folgt dann die letzte Transformation wie bei Rainald Goetz: zum Buch – der bisher unübertroffene Datenspeicher der Menschheit. Für den finalen Kunstgriff könnten dann dicke Buchstaben auf dem Buchdeckel strotzen: Sechzig Grad – ein Roman.

Karen Wiborg: SechzigGrad.de from Blogpiloten on Vimeo.

In eigener Sache: Pausenverlängerung bis Mitte Juni. Bis dahin können Sie gern den Blogroman weiterlesen.

Beannachd leat Scotland

Meine Arbeit hat mich gezwungen, es hier etwas ruhiger werden zu lassen und dieser Zustand wird auch noch bis Mitte Mai Juni anhalten. Als Überbrückung ein paar schottische Impressionen:

Ansonsten wenden Sie sich vertrauensvoll an meine Blogroll, die zwei lesenswerte Neuzugänge zu verzeichnen hat: Mulliner und Text for Robots.

Der letzte Tag der re:publica 2009 hat mich heute in den Berliner Friedrichstadtpalast geführt. Ich musste erst stutzen - 1.893 Plätze bietet der große Saal immerhin. Sollte sich der Bedarf gegenüber dem Vorjahr so vergrößert haben?

Nicht ganz – die Kalkscheune war letztlich zu klein geworden, platzte bei einzelnen Veranstaltungen im letzten Jahr bereits aus allen Nähten, der Friedrichstadtpalast war dann aber doch zwei Nummern zu groß.

re:publica 2009 im Friedrichstadtpalast. Jan Schmidt referiert zum Thema "Wandel von Öffentlichkeit - Wandel von Privatsphäre?" Um 10:20 Uhr referierte Jan Schmidt zum Thema „Wandel von Öffentlichkeit - Wandel von Privatsphäre?“. Die Größe des Themas schien dem Saal angemessen, die angesetzten 30 Minuten waren aber eine echte Herausforderung, zumindest einen guten Überblick anbieten zu können. Diesen haben die Hörer dann auch erhalten, aber leider nicht mehr.

Besonders spannend wurde es dann bei einer Frage aus dem Publikum, ob die verschiedenen Rollen, die wir je nach Plattform spielen, vom Zentrum des Privaten in Richtung nach außen hin zur Öffentlichkeit, als konzentrisch beschrieben werden können? Etwa die Privatsphäre als engster Kreis mit „privaten“ Informationen, wie dem Urlaub für die Freunde z.B. bei Facebook und der erweiterte Kreis für die Geschäftspartner mit „öffentlichen“ Informationen, wie den gesuchten Geschäftsfeldern z.B. bei Xing. Aber: Xing ist nicht der Überbau von Facebook sondern steht unabhägig daneben. Für Jan Schmidt sind dort noch eine Menge Fragen offen, Unschärfen ergeben sich, die ein solches Modell erst einmal in Frage stellen. Der Fragende sah hier auch eher ein Nebeneinander der Rollen als ein Ineinander. Ein Punkt, der auch auf die Unterschiede zwischen Web und der realen Welt abzielt: das Wechseln unserer sozialen Rollen kann im Web noch nicht in dem Maße umgesetzt werden, wie wir es aus der realen Welt gewohnt sind.

Im Anschluss folgte die Vorstellung der Plattform Mideast Youth durch Esra’a Al Shafei. Anhand beeindruckender Beispiele zeigte sie die Wirkungen des Netzwerkes mit äußerst kreativen Mitteln und Wegen in die politische Sphäre etwa bei der Anerkennung der Baha’i als Religion in Ägypten. Diese Blicke über den Tellerrand machten die re:publica bereits auch die letzten Jahre wertvoll.

Weitere Fotos befinden sich in der Blog-Galerie.

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