Sechzig Grad – die Lust am Spiel mit den Gattungen
21. Mai 2009 von Kristian
Man kann ins Schlingern bei der Beschreibung des Projektes Sechzig Grad von Karen Wiborg kommen. Werfen Sie Ihr Schubkastensystem über Bord, ergänzen Sie die Einträge in Ihrem Literaturlexikon um einen weiteren: Blogroman – oder doch eher Romanblog? Dass das Unterwandern von Gattungsmerkmalen ein allseits beliebtes Spiel in der Literaturgeschichte ist, stellt nicht die Innovation dar. Der Reiz dürfte hier in der forcierten Interaktion der Autorin/ Bloggerin mit Ihren Lesern liegen. Oder durften Sie schon einmal mitbestimmen, wie der Name des Helden lauten soll? Oder wie sich der Duft von Kaffee beschreiben lässt, auf dass dies unmittelbar Teil des Werkes wird?
Es reicht der Autorin hier nicht, dass Ihre Leser nur im Blog die Ideen und Wünsche einbringen. Kommuniziert wird über alle Kanäle: Twitter, StudiVZ und Co – ein ständiges Rauschen, das den Blogroman in Unruhe hält. Am Ende des Jahres soll das Werk vollbracht seien. Es folgt dann die letzte Transformation wie bei Rainald Goetz: zum Buch – der bisher unübertroffene Datenspeicher der Menschheit. Für den finalen Kunstgriff könnten dann dicke Buchstaben auf dem Buchdeckel strotzen: Sechzig Grad – ein Roman.
Karen Wiborg: SechzigGrad.de from Blogpiloten on Vimeo.
In eigener Sache: Pausenverlängerung bis Mitte Juni. Bis dahin können Sie gern den Blogroman weiterlesen.
